"mauerbluemchen"

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das regierungskritische & identitäre blog aus chemnitz // hinter den bildern sind die geschichten


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27th
Juli

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Auf den weißen Zeltplanen, die hier aufgespannt wurden, weht der türkische Halbmond in seinem stolzen Rot. Darunter kauern Menschen. Sie leben. Kinder strecken Zeige- und Mittelfinger in die Luft. Sie wünschen sich den Frieden. Doch dort, wo sie herkommen, von dem Ort, von dem sie fliehen mussten, steht »die Mutter aller Schlachten« bevor. In und um Aleppo haben sich nach Angaben der Rebellen über 5000 bewaffnete Kämpfer versammelt. Die Regierung zieht ebenfalls ihre Streitkräfte zusammen: Elitesoldaten, Panzer und Kampfhubschrauber. Die Stadt soll wie ausgestorben wirken. Ein Grund dafür sind die Menschen, die auf der Flucht sind. Die offiziellen Zahlen sprechen von 120 000 Menschen, in Wirklichkeit werden es aber wohl sehr viel mehr sein. Auch wenn die Türkei alle Grenzübergänge geschlossen hat, Flüchtlinge dürfen weiter passieren. Sie finden in einer dieser Zeltstädte des türkischen und internationalen Roten Kreuzes zuflucht.
Seit 18 Monaten tobt in Syrien der bewaffnete Kampf und es scheint, als würde er endlich sein Ende finden. Damaskus hielt stand und sollte Aleppo nicht fallen, ist der Bürgerkrieg aus Sicht der Freien Syrischen Armee verloren und Assad bleibt im Amt - vorerst. Im Süden baut sich Israel an der Grenze auf, hat Militär und Polizei an den Golanhöhen zusammengezogen. Das Land der Verfolgten verwährt anderen, die fliehen mussten, die Hilfe; Grenzübertritte von Menschen mit einem syrischen Pass sind nicht gestattet. Stattdessen bereitet man sich vor schnell einzugreifen. Die Angst vor syrischen C-Waffen in »falschen« Händen ist der Grund für die Truppenkonzentration in Israels Norden. Als ob Massenvernichtungswaffen in guten Händen sein könnten.

Diese Kulisse kennt eigentlich jeder: dunkelblauer und geraffter Vorhang, drappierte Fahnen in rot und weiß gestreift mit fünfzig weißen Sternen, ein dunkelbraunes Holzpult. Dahinter Victoria Nuland, Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums. Langsam aber betont spricht sie von der Lage in Syrien und davon, dass ihre Regierung ein Massaker befürchtet. »Und es scheint, dass sich das Regime dafür in Stellung bringt« sagt sie. Panzerkolonnen bewegen sich auf Aleppo zu, genauso, wie sich Panzer der US-Armee einst auf Kabul und Bagdad zuschoben. Damals wurde befreit, Zweifeln unangebracht. Heute wird massakriert und auch hier gilt: Besser nicht hinterfragen, nicht zweifeln und dazwischen rufen. Russland und China, die Brüder des Bösen. So soll es aussehen. Und wenn Damaskus und Teheran gefallen sind, dann stehen nur noch Moskau und Peking.
Was wir erleben, ist der Versuch, einer totalitären Machtstruktur. Europa steht kurz vor seiner Zentralisierung. Die Parlamente sind bereit Rechte abzutreten, ohne die sie laut ihrer eigenen Verfassung nicht mehr die Vertretung eines souveränen und unabhänigen Staates sind. Das europäische Parlament soll mächtiger werden, ein europäischer Präsident eingesetzt werden. Das wirkliche Vermächtnis der Finanzkrise, die eigentlich eine Schuldenkrise ist, sind die öffentlichen Schulden. Banken gehen Pleite, andere werden unantastbar. Die Regierungen haben Milliarden Schulden bei ihnen und sind auf weitere Kredite angewiesen. Das Geld entwickelt ein eigenes Bewusstsein, eigene Interessen und immer wieder erliegen Menschen dieser faszinierend wirkenden Macht. Dollar und Euro schwächeln, das chinesische Geldsystem zirkuliert größtenteils außerhalb der westlichen Finanzströme und Russland bleibt auch in zehn Jahren noch ein geopolitischer Gegenpol. Selbst wenn Putin nicht mehr ist, so steht doch eines fest: Alle relevanten russischen Parteien und Oppositionen haben wenigstens eine anti-amerikanische Ausrichtung in ihren außenpolitischen Formulierungen.
An der Grenze zu Syrien werden noch weitere Zeltstädte entstehen, Kinder ihre Finger zum V formen. Die Rebellen der Freien Syrischen Armee, so scheint es, können den Bürgerkrieg aus eigener Kraft nicht gewinnen. Die Gründe für ein direktes Eingreifen von Außen werden den Menschen vor den Fernsehgeräten und Tageszeitungen gerade nahegelegt. Befreit wurden wir in Deutschland ja schließlich auch schonmal und daran zu zweifeln, das ist wirklich unangebracht.
25th
Juli

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In Deutschland wird die unterschiedliche Mentalität von Amerikanern und Deutschen gern so beschrieben: Wenn jemand ein teures Auto fährt …
… einen Mercedes?
… zum Beispiel. Oder einen Cadillac. Dann sagt der Deutsche: »So ein Angeber.« Der Amerikaner sagt: »Tolles Auto, so eins fahre ich auch bald.«
Sie meinen den typischen amerikanischen Optimismus?
Gibt es den noch?
Der grundlegende amerikanische Mythos ist und war immer: Den Kindern wird es besser gehen als den Eltern. Der Wohlstand wächst von Generation zu Generation. Nun entwickeln wir zum ersten Mal in der Geschichte dieses Landes das Gefühl, dass das nicht mehr gilt. Wir gehen rückwärts. Die Löhne sind niedriger, mit einem Job allein können viele Arbeiter ihre Familie nicht mehr ernähren. Ich würde sagen: 40 Prozent der Familien sind nur eine ernsthafte Erkrankung vom Ruin entfernt. Vom wirklich existenziellen Ruin.

Paul Auster, amerikanischer Schriftsteller im stern Nummer 30.
17th
Juli

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So einsam, wie auf diesem Bild, sind Europas Finanzexperten und Banker dann doch nicht. Der britischen Bank Barclays wird vorgeworfen, den Libor-Zins von 2005 bis 2011 manipuliert zu haben. Der zurückgetretene Chef Bob Diamond soll seinen Mitarbeitern persönlich die Anweisung gegeben haben, einen niedrigeren Zinssatz zu nennen und somit am Ende mehr Gewinn einzustreichen. Der Libor-Zins regelt den Zinssatz von Krediten aller Art und deckt ein Transfervolumen von 360 Billionen Dollar. Mit Behörden aus den USA und Großbritannien hat sich Barclays auf einen ersten Ersatz von 450 Millionen US-Dollar geeinigt. Ermittelt wird gegen mehr als ein Dutzend Großbanken und wie so oft ist auch die Deutsche Bank mit dabei.
16th
Juli

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Vor etwas mehr als einem halben Jahr hat sich die US-Armee nach acht Jahren und neun Monaten aus dem Irak zurückgezogen. Geblieben ist neben einigen Elitesoldaten, zehntausender privater Sicherheitsleute und 150 000 Amerikaner aus dem zivilen Dienst vor allen Dingen eines: ein möglichst schnelles Vergessen. Nach den Fakten von Guantanamo-Bay nun ein paar Zahlen aus dem Irak:
Der Krieg begann am 21. März 2003 und endete ofiziell am 1. Mai 2003. Der letzte US-Soldat verlies den Irak am 18. Dezember 2011.
In dieser Zeit sind über 160 000 Iraker gestorben und offiziell 4468 US-Amerikaner gefallen.
Vor allen Dingen junge und sozial schwache Amerikaner gingen in den Krieg, viele von ihnen waren schwarz. Die Arbeitslosenquote zwischen den männlichen Kriegsheimkehrern zwischen 20 und 24 Jahren liegt bei über 30 Prozent.
Über 35 Prozent leiden an »unsichtbaren«, das heißt, psyschichen Wunden.
Der Krieg kostete wohl 1000 Milliarden US-Doller.
Währenddessen konnte Öl im Wert von 340 Milliarden US-Dollar ausgeführt werden.
Derzeit sind 28 Prozent der irakischen Bevölkerung arbeitslos; vor dem Krieg waren es zehn Prozent und im zweiten Kriegsjahr weit über 60 Prozent.
Noch immer kommt es im Irak zu rund 30 Terror-Anschlägen in der Woche, bei denen jeden Monat mehr als 200 Menschen sterben.
Insgesamt starben in den Operationen Enduring Freedom, Iraqi Freedom und New Dawn 6495 US-Soldaten. 2389 von ihnen waren zwischen 18 und 22 Jahren.
Und zum Schluss: George W. Bush befahl in seiner Amtszeit neun Drohnenangriffe auf Pakistan, bei denen zwischen 89 und 112 Menschen starben. Sein Nachfolger Barack Obama befehligte bisher genau 300 Angriffe, bei denen zwischen 1772 und 2744 Menschen ihr Leben verloren. Er trägt den Friedensnobelpreis.
15th
Juli

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Da vor kurzem der Friedensnobelpreisträger Barack Obama beschlossen hat, die Infrastruktur des völkerrechtswidrigen Gefangenenlagers Guantánamo Bay 2013 mit vierzig Millionen US-Dollar zu erweitern, hier mal ein paar Fakten zum Monument US-amerikanischen Terrors:
Anzahl der seit Januar 2002 inhaftierten Personen: 779
Anzahl der aufgrund fehlender Beweise freigelassener Häftlinge: 600
Aktuelle Anzahl der Gefangenen, stand Februar 2012: 171
Anzahl der abgeschlossenen Gerichtsprozesse gegen Inhaftierte seit der Eröffnung des Lagers: 3
Alter des jüngsten Guantánamo-Häftlings: 13
Alter des ältesten Guantánamo-Häftlings: 98
Anzahl der Selbstmordversuche seit 2002: 23
Anzahl der Selbstmorde seit 2002: 6
Die bisher bekannt gewordenen Foltermethoden: water-boarding, körperlicher Missbrauch, erzwungene Injektionen, sexuelle Übergriffe und Erniedrigungen, Schlafentzug, Umweltmanipulation und Sinnesentzug, Einschüchterungen und Angriffe durch aggressive Hunde, Ausnutzung und Erzeugung von menschlichen Ängsten, extreme Kälte, Sinnesnervenbombardement (u.a. Wassertropfen auf die Stirn über Stunden und Tage), Fixierung in unnatürlichen Körperhaltungen, ständiges Nacktsein, Isolation und viele andere mehr, über die bis heute noch niemand etwas weiß - oder die bis heute noch nicht angewendet wurden.
5th
Juli

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»They got money for wars, but can’t feed the poor.« - Tupac Shakur, 1993.